Die entscheidende Frage im Ernstfall lautet: Sind die Wiederherstellungszeiten ein realistisches Versprechen oder scheitern sie an einer lückenhaften Dokumentation der letzten Jahre? Mit dem KRITIS-Dachgesetz wandelt sich der Anspruch an Betreiber – weg von formalen Nachweisen, hin zur echten, jederzeit prüfbaren Resilienz. Hier setzt der Digitale Informationszwilling an. Er dient als systematisches Führungsinstrument, das komplexe Strukturen transparent macht und eine fundierte Entscheidungsgrundlage unter Zeitdruck garantiert.
Derzeitige Realität: Daten liegen häufig redundant, inkonsistent oder in proprietären Silos vor, was im Störfall die mittlere Wiederherstellungszeit (MTTR) massiv erhöht. Wer Kaskadeneffekte beherrschen will, darf nicht lange nach Informationen suchen, diese müssen immer präsent sein. Hier setzt der Digitale Informationszwilling als zentrales Asset-Management-Instrument an. Er fungiert als Visualisierung des Single Source of Truth-Modells, das technische Objekte und logische Funktionszusammenhänge über den gesamten Lebenszyklus hinweg synchronisiert. Erst diese Transparenz schafft die notwendige Reaktionsgeschwindigkeit, um aus einer gesetzlichen Verpflichtung einen echten Benchmark für die Verfügbarkeit und Sicherheit von Kraftwerksanlagen zu machen.
§ Beherrschung von Kaskadeneffekten: Durch die sektorübergreifende Vernetzung von Daten, Dokumenten und Informationen werden Ursache-Wirkungs-Ketten transparent. Betreiber können so die Fortpflanzung von Ausfällen aufgrund der umfassenden, validen Datenbasis überblicken und aktiv begrenzen.
§ Rechtssicherheit durch Datenqualität: Da der Informationszwilling als konsolidierte Wissensbasis dient, sichert er die unmittelbare Haftungsrelevanz ab. Entscheidungen basieren auf validen, nachvollziehbaren Daten, was die Position der Betreiber bei Audits und im Haftungsfall stärkt.
§ Wirtschaftlichkeit und Sicherheit: Resilienz wird durch den digitalen Informationszwilling kein nachträglicher, zusätzlicher Kostenfaktor, sondern integraler Bestandteil der technischen Betriebsführung. Durch klare Datenstrukturen (z. B. nach DCC-Klassen und KKS-Kennzeichnung) und rollenbasierten Zugriffskonzepten sowie georedundantem ISO27001-konformem Hosting in Deutschland wird zudem die Sensibilität der Daten geschützt, während gleichzeitig die physische und organisatorische Sicherheit steigt.
Der Vortrag findet statt am 7.10 um 11:00 in Saal 4.



