Fachwissen · Technische Dokumentation

KKS: Die gemeinsame Sprache des Kraftwerks

Das Kraftwerk-Kennzeichensystem ordnet Anlagen, Systeme, Aggregate und Betriebsmittel eindeutig.

Es verbindet reale Technik mit Dokumenten, Daten und Digitalen Informationszwillingen.

Autor: Hans Karl Preus, GABO IDM Stand: September 2026

Ein Kennzeichen. Klarer Kontext.

1

Gesamtanlage

Kraftwerksblock oder übergeordnete Einheit

LAC10

System

Technischer Funktionsbereich

AP010

Equipment Unit / Aggregat

Zusammengehörige technische Einheit

M01​

Betriebsmittel

Konkretes technisches Objekt

Schematische Darstellung. Das Beispiel dient ausschließlich der Visualisierung.

KURZ ERKLÄRT

Was ist KKS?

KKS ist ein standardisiertes Kennzeichnungssystem zur eindeutigen Identifikation und Strukturierung von Anlagen, Anlagenteilen und Betriebsmitteln in Kraftwerken. Es ordnet technische Objekte in ihren funktionalen Zusammenhang ein und schafft damit eine eindeutige, hersteller- und typunabhängige Referenz.

Ein modernes Kraftwerk besteht aus Tausenden Komponenten: Pumpen, Ventilen, Motoren, Transformatoren, Messstellen, Rohrleitungen, Schaltanlagen und Leitsystemen. Damit Planer, Hersteller, Betreiber und Instandhalter über dieselben Anlagenbestandteile sprechen, braucht es eine eindeutige, systematische und fachübergreifende Kennzeichnung.

Ein KKS-Kennzeichen beantwortet systematisch:

ENTWICKLUNG

Anfang der 1970er

VERÖFFENTLICHUNG

1978 als VGB-Richtlinie B 105

EINSATZ

international in der Energiewirtschaft

DIE HERAUSFORDERUNG

Warum braucht ein Kraftwerk ein Kennzeichnungs­system?

Weil aus unterschiedlichen Bezeichnungen schnell ein Kommunikationsproblem wird. KKS schafft eine gemeinsame, eindeutige Referenz über Unternehmen, Fachdisziplinen und Lebenszyklusphasen hinweg.

Ohne gemeinsames Ordnungssystem spricht der Anlagenbauer vielleicht von „Pumpe 3“, der Elektrotechniker von „Motor M03“ und der Betreiber von „Speisewasserpumpe B“. Im Plan kann zugleich eine weitere Bezeichnung stehen.

Das KKS-Kennzeichen kann zum verbindenden Element zwischen Anlage, technischen Plänen, Betriebsmitteln, Dokumentation und digitalen Informationssystemen werden. Die Systematik unterstützt eine durchgängige Anwendung über den Lebenszyklus einer Anlage – von Planung und Errichtung über Betrieb und Instandhaltung bis zum Rückbau.

"Ein zentrales Ordnungssystem in Form eines Kennzeichensystems und eines Dokumentenartenschlüssels bildet die Basis für alle weiteren Maßnahmen im Kraftwerk."

VOM AKS ZUM KKS

Die Geschichte des KKS

Im März 1969 veröffentlichten drei deutsche Hersteller ein „System zur Kennzeichnung von Geräten und Anlagen in Wärmekraftwerken“. Das darin beschriebene System wurde als AKS bzw. AKZ bezeichnet.

Mit zunehmender Größe, Automatisierung und technischer Komplexität wurde das System im VGB-Umfeld gemeinsam mit Betreibern, Planern, Herstellern, Sachverständigen und Behörden weiterentwickelt.

Heute 
KKS ist in zahlreichen Bestandsanlagen weiterhin das etablierte Kennzeichnungssystem.

1978
KKS wird als VGB-Richtlinie B 105 veröffentlicht.

Anfang der 1970er
Ein VGB-Arbeitsgremium entwickelt die fachübergreifende Systematik.

1969
Frühes Anlagenkennzeichnungssystem AKS/AKZ wird beschrieben.

Wer hat KKS entwickelt?

KKS ist nicht das Werk eines einzelnen Unternehmens. Es entstand in Zusammenarbeit der deutschen Kraftwerksindustrie im VGB-Umfeld und wurde von Betreibern, Herstellern, Planern und weiteren Fachleuten kontinuierlich gepflegt.

Die Rolle von GABO IDM

GABO IDM arbeitet seit Jahrzehnten im VGB/vgbe-Umfeld an der Anlagenkennzeichnung mit. Von 1986 bis 2014 war GABO im VGB-Arbeitskreis „Anlagenkennzeichnung und Dokumentation“ an der Mitentwicklung des KKS beteiligt. Karl-Werner Scheurer vertrat GABO dort bis 2014; seit 2014 wird GABO durch Hans Preuß vertreten.

DAS GRUNDPRINZIP

Was macht KKS besonders?

KKS strukturiert technische Objekte hierarchisch: von der Gesamtanlage über Systeme und Equipment Units bis zum konkreten Betriebsmittel. Buchstaben klassifizieren; Zahlen dienen unter anderem der eindeutigen Identifikation und Zählung.

Gesamtanlage

System

Equipment Unit / Aggregat

Betriebsmittel

KKS unterscheidet drei grundlegende Kennzeichnungsarten:

1. Verfahrenstechnische Kennzeichnung

2. Einbauort-Kennzeichnung
3. Aufstellungsort-Kennzeichnung

Alle drei folgen einem gemeinsamen hierarchischen Grundprinzip mit bis zu vier Gliederungsstufen.

FACHÜBERGREIFEND

KKS ist nicht nur „mechanisch“

Ein häufiger Irrtum ist, KKS ausschließlich mit Pumpen, Ventilen und Rohrleitungen zu verbinden. Tatsächlich ist das System für Maschinen-, Bau-, Elektro- und Leittechnik angelegt.

Maschinentechnik

  • Pumpen und Ventile
  • Rohrleitungen
  • Getriebe und Kupplungen

Elektrotechnik

  • Elektromotoren
  • Leistungsschalter
  • Batterien und Einrichtungen

Leittechnik

  • Messwertgeber
  • Messumformer und Sensoren
  • Signalverarbeitung

Bautechnik

  • Bauwerke
  • Räume
  • Bauliche Einrichtungen
ANLAGE UND INFORMATION VERBINDEN

KKS als Brücke zur technischen Dokumentation

Besitzt eine Pumpe ein eindeutiges Kennzeichen, kann dieses Kennzeichen in R&I-Fließbildern, Schaltplänen, Ersatzteillisten, Betriebsanweisungen, Prüfunterlagen, Wartungsdokumenten, Anlagenlisten und digitalen Instandhaltungssystemen als Referenz verwendet werden.

Reales Bauteil

Technische Funktion

Dokumentation · Daten · Prozess

So entsteht eine belastbare Verbindung zwischen realer Anlage und technischer Information.

KKS UND DIGITALISIERUNG

Eindeutige Identität für den Digitalen Informations­zwilling

Dokumente, technische Daten, Prüfungen und Wartungsvorgänge lassen sich nur zuverlässig verknüpfen, wenn eindeutig ist, welches reale Objekt gemeint ist.

Obwohl KKS aus einer papiergeprägten Dokumentationswelt stammt, ist sein Grundgedanke heute besonders relevant. GABO IDM nutzt Anlagenkennzeichen als Ordnungsstruktur für Digitale Informationszwillinge, um reale Anlagenobjekte mit Dokumenten, Daten und technischen Informationen zu verknüpfen.

Dokumente, technische Daten, Prüfungen und Wartungsvorgänge lassen sich nur zuverlässig verknüpfen, wenn eindeutig ist, welches reale Objekt gemeint ist.

INTERNATIONALE ENTWICKLUNG

KKS, IEC/ISO 81346 und RDS-PP

KKS entstand in Deutschland und wurde ursprünglich für die Kennzeichnung von Kraftwerken entwickelt. Mit der internationalen Weiterentwicklung von Kennzeichnungs- und Strukturierungssystemen entstand mit der IEC/ISO-81346-Familie ein internationaler Normenrahmen für die Strukturierung und Referenzkennzeichnung technischer Systeme.

RDS-PP® (Reference Designation System for Power Plants) ist dagegen kein anderer Name für IEC/ISO 81346, sondern ein von vgbe entwickeltes Kennzeichnungssystem speziell für Kraftwerke. RDS-PP greift internationale Strukturierungsprinzipien auf und führt Erfahrungen aus dem KKS in einer weiterentwickelten Systematik für moderne Energieanlagen zusammen.

BESTANDSANLAGEN

KKS

KKS Bewährtes Kennzeichnungssystem für bestehende Kraftwerksanlagen.

KKS bleibt insbesondere in Bestandsanlagen sowie bei deren Erweiterungen und Umbauten relevant.

WEITERENTWICKLUNG

RDS-PP®

Reference Designation System for Power Plants.

Von vgbe entwickeltes Kennzeichnungssystem für Kraftwerke auf Basis der internationalen Normungsentwicklung der IEC/ISO-81346-Familie.

Muss eine bestehende KKS-Anlage auf RDS-PP umgestellt werden?

Nein. Bereits mit KKS gekennzeichnete Kraftwerksanlagen werden grundsätzlich nicht neu gekennzeichnet. Bei Erweiterungen, Umbauten oder Modernisierungen kann die bestehende KKS-Systematik weiterhin erforderlich sein.

RDS-PP spielt insbesondere bei neuen Anlagen und bei der Kennzeichnung moderner Energieanlagen eine wichtige Rolle. Welches Kennzeichnungssystem eingesetzt wird, sollte jedoch immer projektspezifisch und fachlich festgelegt werden.

FAQ

Häufige Fragen zum KKS

KKS steht für Kraftwerk-Kennzeichensystem. Es kennzeichnet Anlagen, Systeme, Aggregate und Betriebsmittel in Kraftwerken eindeutig und systematisch.

Das KKS wurde im Umfeld des VGB von der deutschen Kraftwerksindustrie entwickelt. Betreiber, Hersteller, Planer, Sachverständige und weitere Fachleute waren beteiligt.

Die Entwicklung begann Anfang der 1970er-Jahre. 1978 wurde KKS als VGB-Richtlinie veröffentlicht.

Nein. KKS ist für verschiedene Kraftwerkstypen ausgelegt. RDS-PP berücksichtigt darüber hinaus neue Technologien wie erneuerbare Energieanlagen und Energiespeicher.

KKS wurde in Deutschland entwickelt, wird aber seit Jahrzehnten weltweit eingesetzt.

RDS-PP steht für Reference Designation System for Power Plants. Es ist die von vgbe entwickelte Weiterentwicklung des KKS im Kontext internationaler Strukturierungsprinzipien.

Nein. Bestehende KKS-Anlagen werden grundsätzlich nicht neu gekennzeichnet. KKS bleibt bei Erweiterungen und Modernisierungen relevant.

Ein eindeutiges Anlagenkennzeichen verknüpft technische Objekte mit Dokumenten, Daten und Prozessen. Dadurch wird KKS zu einer wichtigen Ordnungsstruktur für Digitale Informationszwillinge.

Kontakt

Fragen und Kontakt?

PASSEND ZUM THEMA

Von der Bestandsaufnahme zur nutzbaren Information

AS-BUILT-Dokumentation

Wenn Dokumentation und reale Anlage übereinstimmen

Digitale Informations­zwillinge

Anlagen, Dokumente, Daten und Beziehungen in einer nutzbaren Informations­struktur verbinden.

Anlagen­kennzeichnung

Anlagen kennzeichnen mit System und Know-How