Fachwissen · Technische Dokumentation
KKS: Die gemeinsame Sprache des Kraftwerks
Das Kraftwerk-Kennzeichensystem ordnet Anlagen, Systeme, Aggregate und Betriebsmittel eindeutig.
Es verbindet reale Technik mit Dokumenten, Daten und Digitalen Informationszwillingen.
Ein Kennzeichen. Klarer Kontext.
Gesamtanlage
Kraftwerksblock oder übergeordnete Einheit
System
Technischer Funktionsbereich
Equipment Unit / Aggregat
Zusammengehörige technische Einheit
Betriebsmittel
Konkretes technisches Objekt
Schematische Darstellung. Das Beispiel dient ausschließlich der Visualisierung.
Ein KKS-Kennzeichen beantwortet systematisch:
Ohne gemeinsames Ordnungssystem spricht der Anlagenbauer vielleicht von „Pumpe 3“, der Elektrotechniker von „Motor M03“ und der Betreiber von „Speisewasserpumpe B“. Im Plan kann zugleich eine weitere Bezeichnung stehen.
Das KKS-Kennzeichen kann zum verbindenden Element zwischen Anlage, technischen Plänen, Betriebsmitteln, Dokumentation und digitalen Informationssystemen werden. Die Systematik unterstützt eine durchgängige Anwendung über den Lebenszyklus einer Anlage – von Planung und Errichtung über Betrieb und Instandhaltung bis zum Rückbau.
Die Geschichte des KKS
Im März 1969 veröffentlichten drei deutsche Hersteller ein „System zur Kennzeichnung von Geräten und Anlagen in Wärmekraftwerken“. Das darin beschriebene System wurde als AKS bzw. AKZ bezeichnet.
Mit zunehmender Größe, Automatisierung und technischer Komplexität wurde das System im VGB-Umfeld gemeinsam mit Betreibern, Planern, Herstellern, Sachverständigen und Behörden weiterentwickelt.
Heute
KKS ist in zahlreichen Bestandsanlagen weiterhin das etablierte Kennzeichnungssystem.
1978
KKS wird als VGB-Richtlinie B 105 veröffentlicht.
Anfang der 1970er
Ein VGB-Arbeitsgremium entwickelt die fachübergreifende Systematik.
1969
Frühes Anlagenkennzeichnungssystem AKS/AKZ wird beschrieben.
Wer hat KKS entwickelt?
KKS ist nicht das Werk eines einzelnen Unternehmens. Es entstand in Zusammenarbeit der deutschen Kraftwerksindustrie im VGB-Umfeld und wurde von Betreibern, Herstellern, Planern und weiteren Fachleuten kontinuierlich gepflegt.
Die Rolle von GABO IDM
GABO IDM arbeitet seit Jahrzehnten im VGB/vgbe-Umfeld an der Anlagenkennzeichnung mit. Von 1986 bis 2014 war GABO im VGB-Arbeitskreis „Anlagenkennzeichnung und Dokumentation“ an der Mitentwicklung des KKS beteiligt. Karl-Werner Scheurer vertrat GABO dort bis 2014; seit 2014 wird GABO durch Hans Preuß vertreten.
Was macht KKS besonders?
KKS strukturiert technische Objekte hierarchisch: von der Gesamtanlage über Systeme und Equipment Units bis zum konkreten Betriebsmittel. Buchstaben klassifizieren; Zahlen dienen unter anderem der eindeutigen Identifikation und Zählung.
KKS unterscheidet drei grundlegende Kennzeichnungsarten:
1. Verfahrenstechnische Kennzeichnung
2. Einbauort-Kennzeichnung
3. Aufstellungsort-Kennzeichnung
Alle drei folgen einem gemeinsamen hierarchischen Grundprinzip mit bis zu vier Gliederungsstufen.
KKS ist nicht nur „mechanisch“
KKS als Brücke zur technischen Dokumentation
Besitzt eine Pumpe ein eindeutiges Kennzeichen, kann dieses Kennzeichen in R&I-Fließbildern, Schaltplänen, Ersatzteillisten, Betriebsanweisungen, Prüfunterlagen, Wartungsdokumenten, Anlagenlisten und digitalen Instandhaltungssystemen als Referenz verwendet werden.
So entsteht eine belastbare Verbindung zwischen realer Anlage und technischer Information.
Obwohl KKS aus einer papiergeprägten Dokumentationswelt stammt, ist sein Grundgedanke heute besonders relevant. GABO IDM nutzt Anlagenkennzeichen als Ordnungsstruktur für Digitale Informationszwillinge, um reale Anlagenobjekte mit Dokumenten, Daten und technischen Informationen zu verknüpfen.
KKS, IEC/ISO 81346 und RDS-PP
KKS entstand in Deutschland und wurde ursprünglich für die Kennzeichnung von Kraftwerken entwickelt. Mit der internationalen Weiterentwicklung von Kennzeichnungs- und Strukturierungssystemen entstand mit der IEC/ISO-81346-Familie ein internationaler Normenrahmen für die Strukturierung und Referenzkennzeichnung technischer Systeme.
RDS-PP® (Reference Designation System for Power Plants) ist dagegen kein anderer Name für IEC/ISO 81346, sondern ein von vgbe entwickeltes Kennzeichnungssystem speziell für Kraftwerke. RDS-PP greift internationale Strukturierungsprinzipien auf und führt Erfahrungen aus dem KKS in einer weiterentwickelten Systematik für moderne Energieanlagen zusammen.
Muss eine bestehende KKS-Anlage auf RDS-PP umgestellt werden?
RDS-PP spielt insbesondere bei neuen Anlagen und bei der Kennzeichnung moderner Energieanlagen eine wichtige Rolle. Welches Kennzeichnungssystem eingesetzt wird, sollte jedoch immer projektspezifisch und fachlich festgelegt werden.
Häufige Fragen zum KKS
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