Fachwissen · Technische Dokumentation

DCC: Bedeutung, Aufbau und aktuelle Einordnung

Wie der Document Kind Classification Code technische Informationen klassifiziert, wie er sich von KKS und Dokumentennummern unterscheidet und was der ICC verändert.

Autor: Hans Karl Preuss, GABO IDM, Stand: Oktober 2026

DCC

KURZ ERKLÄRT

Was ist ein DCC?

Der DCC (Document Kind Classification Code) ist ein Klassifikationsschlüssel für technische Dokumente. Die Abkürzung steht für Document Kind Classification Code, auf Deutsch häufig auch Dokumentenart-Klassenschlüssel.Seine Aufgabe besteht darin, technische Dokumente anhand ihres charakteristischen Informationsinhalts zu klassifizieren. Der DCC beschreibt also nicht, zu welchem technischen Objekt ein Dokument gehört, sondern welche Art von Information darin enthalten ist.

Wichtig: Ein DCC ist weder eine individuelle Dokumentennummer noch ein Anlagenkennzeichen. Er klassifiziert ein Dokument nach seinem charakteristischen Informationsinhalt und kann als Bestandteil eines Dokumentenkennzeichens verwendet werden.

Beispiele

Datenblatt

technische Zeichnung

Anleitung

Handbuch

Prüfbericht

Objektliste

Prüfprotokoll

Der DCC stammt aus der Norm IEC 61355-1 und wird in der technischen Dokumentation vieler Industrie- und Energieanlagen eingesetzt.

Wichtig:
Ein DCC ist weder eine Dokumentennummer noch ein Anlagenkennzeichen. Er dient ausschließlich der Klassifikation des Informationsinhalts.

Was bedeutet DCC?

DCC steht für Document Kind Classification Code. Der Code klassifiziert technische Dokumente entsprechend ihres Informationsinhalts. Er beantwortet die Frage:

Welche Art von Information enthält dieses Dokument?

Der DCC betrachtet nicht:

das technische Objekt

die Dokumentennummer

den Freigabestatus

die Revision

den Lieferanten

den Autor

Für diese Informationen werden zusätzliche Kennzeichnungen und Metadaten verwendet.

Was klassifiziert der DCC?

Der DCC klassifiziert die Art der enthaltenen Information. Typische Dokumentarten sind beispielsweise:

technische Anforderungen

Funktionsbeschreibungen

Datenblätter

Handbücher

Zeichnungen

Objektlisten

Qualitätsdokumente

Sicherheitsdokumente

Betriebsprotokolle

Dadurch können Dokumente unterschiedlicher Lieferanten, Gewerke oder Systeme nach einer gemeinsamen Struktur katalogisiert werden.

Gerade bei großen Dokumentationsbeständen unterstützt dies eine einheitliche Organisation technischer Informationen.

DCC, KKS und Dokumenten­nummer: Die Unterschiede

Ein häufiger Irrtum besteht darin, DCC, KKS oder Dokumentennummern gleichzusetzen.

KKS, AKZ oder RDS-PP

Anlagenkennzeichen (AKZ), beispielsweise nach KKS oder RDS-PP, kennzeichnen Objekte innerhalb der Anlagenstruktur. Als Objektbezug eines Dokuments beantworten sie die Frage:

Auf welches Anlagenobjekt bezieht sich das Dokument?

Beispiel: eine bestimmte Speisewasserpumpe

DCC

Der DCC beschreibt dagegen:

Welche Art von Information enthält das Dokument?

Beispiel: Datenblatt, Bedienungsanleitung, Prüfbericht oder Zeichnung.

Dokumentenn­ummer

Die Dokumenten­nummer dient der eindeutigen Identifikation eines konkreten Dokuments.

Welches individuelle Dokument liegt vor?

Das Zusammenspiel

In einer strukturierten technischen Dokumentation ergänzen sich diese Informationen:

Infor­mation

Beispiel

Objekt­bezug

Pumpe, Ventil, System

DCC

Datenblatt, Zeichnung

Doku­menten­­nummer

Eindeutige Identifikation

Revision

Änderungs­stand

Status

Entwurf, geprüft, freigegeben

Wie ist ein DCC aufgebaut?

In der klassischen Systematik nach IEC 61355-1:2008 besteht der DCC aus zwei oder drei Kennbuchstaben:

  • A1 – technischer Bereich: optionale Angabe.

  • A2 – Hauptklasse: kennzeichnet die Hauptklasse des Informationsinhalts.

  • A3 – Unterklasse: konkretisiert die zugehörige Hauptklasse.

In einem Dokumentenkennzeichen wird der DCC durch das Vorzeichen „&“ gekennzeichnet. Eine zusätzliche Zählnummer kann Dokumente unterscheiden, die sich auf dasselbe Objekt beziehen und derselben Dokumentenartklasse angehören. Sie gehört nicht zu den Kennbuchstaben des DCC.

Die genaue Zuordnung erfolgt anhand der Klassentabellen und des für das Projekt vereinbarten Regelwerks.

DCC in Energieversorgungs­anlagen

In der Energiebranche spielt der DCC seit vielen Jahren eine wichtige Rolle.Besonders relevant ist hierbei der Branchenstandard:

VGB-S-832-00-2021-05-DE-EN – Dokumentenkennzeichen für Anlagen der Energieversorgung

Der Standard beschreibt unter anderem:

  • den Aufbau von Dokumentenkennzeichen
  • die Kombination von Objektkennzeichen und DCC
  • die Zuordnung von Dokumentarten
  • den Zusammenhang zwischen Darstellungsgegenstand und Informationsinhalt

Im energietechnischen Umfeld wird der DCC eingesetzt, um technische Dokumente nach ihrem Informationsinhalt zu klassifizieren und innerhalb strukturierter Dokumentationskonzepte einzuordnen.

Welchen Nutzen hat ein DCC?

Ein einheitlicher DCC kann dabei unterstützen,

  • Dokumentarten konsistent zu klassifizieren
  • Dokumentenbestände nach Informationsinhalten zu strukturieren
  • Dokumente unterschiedlicher Lieferanten vergleichbar einzuordnen
  • Dokumentationsanforderungen systematisch abzubilden
  • Dokumente in Verbindung mit Objektkennzeichen nach Anlagenbezug und Informationsinhalt zu ordnen

Einordnung:
Der DCC allein garantiert jedoch keine vollständige Dokumentation und ersetzt keine Qualitätsprüfung.

DCC und Dokumenten­bedarfsmatrix

Der DCC beschreibt lediglich die Art einer Information. Eine Dokumentenbedarfsmatrix beantwortet dagegen eine andere Frage:

Welche Dokumente werden für ein bestimmtes Objekt oder System benötigt?

Daher sind DCC und Dokumentenbedarfsmatrix unterschiedliche Konzepte. Der DCC kann innerhalb einer Dokumentenbedarfsmatrix als Ordnungsmerkmal verwendet werden.

Eine Dokumentenbedarfsmatrix vergleicht den festgelegten Dokumentationsbedarf je Objekt oder System mit den vorhandenen Unterlagen. So lässt sich erkennen, welche geforderten Dokumente vorliegen und welche fehlen.

Die Aussage zur Vollständigkeit bezieht sich dabei auf den definierten Bedarf. Ob die vorhandenen Unterlagen fachlich richtig, aktuell und im erforderlichen Stand freigegeben sind, muss zusätzlich geprüft werden.

Von DCC zu ICC: Was hat sich geändert?

Die am 6. Dezember 2024 veröffentlichte IEC 81355-1:2024 ersetzt die IEC 61355-1:2008. Innerhalb der neuen Norm tritt der ICC (Information Kind Classification Code) an die Stelle des DCC. Damit wird der Ansatz von der Klassifikation von Dokumentarten auf die Klassifikation von Informationen und Informationscontainern weiterentwickelt.

Der Schwerpunkt verschiebt sich von der Klassifikation von Dokumentarten hin zur Klassifikation von Informationen beziehungsweise Informationscontainern.

DCC

Dokumentarten

Klassifikation technischer Dokumente nach ihrem Informationsinhalt.

ICC

Informationsarten

Klassifikation von Informationen beziehungsweise Informationscontainern.

Zu den wesentlichen Änderungen gehören:

  • Fokus auf Informationsinhalte statt Dokumentarten
  • Trennung von Informationscontainer und Dokument
  • Einführung des ICC
  • Regelungen zur Strukturierung von Informationscontainern
  • Eine Konvertierungstabelle unterstützt den Übergang von DCC zu ICC

DCC und ICC: Was gilt heute?

Auf Ebene der internationalen Norm ersetzt die IEC 81355-1:2024 den bisherigen DCC durch den ICC. Davon zu unterscheiden ist die Anwendung in bestehenden Anlagen und im Branchenregelwerk.

Für Energieversorgungsanlagen beschreibt die VGB-S-832-00-2021-05-DE-EN weiterhin die Dokumentenkennzeichnung mit DCC. Im Positionspapier vom Mai 2026 erläutert vgbe, dass die Übernahme des ICC noch bewertet wird. Betrachtet werden die Beibehaltung der VGB-S-832, ihre Überarbeitung sowie ein zusätzlicher Standard für ICC.

Für ein konkretes Projekt sind deshalb die vereinbarten Regelwerke und Dokumentationsanforderungen maßgeblich. Aus der Veröffentlichung der neuen IEC-Norm allein lässt sich keine pauschale Verpflichtung zur sofortigen Umstellung bestehender Dokumentationsbestände ableiten.

FAQ

Häufige Fragen zum DCC

Was bedeutet DCC?

DCC steht für Document Kind Classification Code und dient zur Klassifikation technischer Dokumente nach ihrem Informationsinhalt.

Nein. Der DCC klassifiziert lediglich die Dokumentenart. Die eindeutige Identifikation erfolgt über Dokumentennummern und weitere Metadaten.

Nein. Anlagenkennzeichen wie KKS, AKZ oder RDS-PP identifizieren technische Objekte. Der DCC beschreibt dagegen den Informationsinhalt eines Dokuments.

Der DCC unterstützt die strukturierte Organisation, Zuordnung und Klassifikation technischer Dokumentationen.

Der DCC wird insbesondere in technischen Industrieanlagen und in der Energieversorgung verwendet.

Der DCC klassifiziert Dokumentarten. Der ICC der IEC 81355-1:2024 erweitert den Ansatz auf Informationen beziehungsweise Informationscontainer.

Ja, der DCC bleibt für bestehende Anwendungen und die Dokumentenkennzeichnung nach VGB-S-832 relevant. Die IEC 81355-1:2024 verwendet dagegen den ICC. Welche Systematik in einem Projekt anzuwenden ist, richtet sich nach den vereinbarten Regelwerken und Dokumentationsanforderungen.

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